BUTTERMAKER

Ein bisschen Quatsch muss sein [ von Theresa Wiedemann ]

Aalglatte Popsternchen, Superstars und sonstige Talente suchte und fand Deutschland in den letzten Jahren angeblich zu Dutzenden. Grund genug, die einheitsbrei-verschmierte Bühne nach Paul-Potts-Manier mal wieder für jemanden mit Profil zu räumen. Den Musiker Buttermaker zum Beispiel, der groß, korpulent und stark bebrillt auf dem Freisitz an einem Bier nippt.

Buttermaker heißt eigentlich Michael Nieweg und stammt aus Westfalen. Dort arbeitete er lange Jahre brav, bevor Liebesleid und Generalfrust ihn in die Arme der Kunst trieben. „Ich war Fachangestellter für Arbeitsförderung beim Arbeitsamt und vermittelte dort die sportlichen Berufe wie Dachdecker, Lagerarbeiter oder Maurer“, berichtet er. Schwer vorstellbar, denn der unterhaltsame Beat-Pop, den er jetzt macht, passt viel besser zu seiner geselligen Art.

Seit 2001 zieht Michael mit seiner Musik durch Kneipen, Clubs und Partyzelte, über Festivalsn und Stadtfeste. „Deutschsprachigen Beat der 60er Jahre“ nennt er sie – gemixt aus Rock'n'Roll-Coversongs, eigenen Stücken und „Schlagern zum Abgewöhnen“. Für letztere nimmt er sich die Melodien bekannter Evergreens und textet neu dazu. Da wird aus Roberto Blancos Ruf nach Unterhaltung „Ein bisschen Gras muss sein“. Oder das Volkslied „Muss i denn“ zu „Kukident, Kukident, das Gebiss kommt abends raus und zum Reinigen ins Glas“. Witzig findet das bestimmt nicht jeder, aber einige. „Mein Publikum ist völlig unterschiedlich, ich spiele vor 30 Geburtstagsgästen genauso gern wie vor 1500 Leuten auf einem Stadtfest. Und da ist vom 15-Jährigen bis zum Rentner jeder dabei“, sagt er. Die Zuhörer gäben ihm sehr positive Resonanz, nicht umsonst reise er ständig beruflich umher. So singt sich Buttermaker kreuz und quer durch die Musiklandschaft: Chuck Berrys „Rock'n'Roll“ nimmt er sich vor, James Browns „Soul-Man“ auch („Ich bin ein Sohlen-Mann, denn ich hab Halbschuhe an“). Sogar „Are You Ready (For Some Darkness)“ der Death-Punker von Turbonegro arrangiert Michael neu – auf Deutsch übersetzt und unterlegt mit luftig-leichten, tanzbaren Beats. Das ist nicht anspruchsvoll, aber kurzweilig und beschwingt, wofür auch Retro-Einwürfe wie das tot geglaubte „Und alle!“ sorgen.

Buttermaker, von Freunden auch „Butty“ genannt, ist eine Ein-Mann-Kapelle, was akustisch nicht weiter auffällt. Die Instrumente nimmt er in seinem kleinen Studio auf. Bei Auftritten baumelt dann ein MP3-Player am Mikrophon, der die Spuren wiedergibt, Gitarre und Gesang kommen live. Ein Label fand er noch nicht, immerhin wird das Fernsehen aber gerade eine 90-minütige Doku über ihn drehen. Seit 2008 lebt der Musiker in Leipzig. „Ich habe hier ein paar Konzerte im Könich Heinz gespielt und dabei viele Fans und Freunde gewonnen“, erzählt er. Leipzig habe ihn mit so offenen Armen empfangen, dass er einfach herziehen musste. Ein gewisser Anteil daran gebührt auch den Ska-Leuten von den „Tornados“. „Die habe ich produziert – wirklich liebe Menschen, eine tolle Stimmung und musikalisch hochwertig“, sagt Buttermaker. Seine eigene Musik empfindet er nicht als makellos, aus einem simplen Grund: „Ich verarbeite einfach alles, was ich erlebe – Partys, Alkohol, Liebeskummer, Essen. Das Leben ist nicht perfekt, meine Musik also genauso wenig.“ Das Gitarrespielen brachte er sich selbst bei und Noten kann er keine lesen. Nach Gefühl gehe das, sagt er; über 3000 bisher gespielte Konzerte sprechen aber für sich. Buttermaker will sein Publikum unterhalten und das gelingt ihm sicher, wenn er zur Gute-Laune-Melodie enthusiastisch reimt: „Bald ist wieder Samstag, dann sind wir wieder stramm, weil man diesen Tag nur zum Trinken nutzen kann...“

In die Schublade der geschniegelten Popstars passt Buttermaker mit Sicherheit nicht, zu viel Persönlichkeit und Originalität. Aber nicht so schlimm, einer muss sich schließlich um die psychische Volksgesundheit kümmern - so ein bisschen Albernheit hat ja noch keinem geschadet.
Und dann erzählt Michael von dem besten Erlebnis, das ihm seine Musik beschert hat: „Ich habe mal in einem Wohnheim für geistig behinderte Jugendliche gespielt. Danach kam ein Bewohner angewackelt und sagte: 'Das war toll! Das hat mir so gut gefallen – ich schenke dir meine Tafel Schokolade.' Dieses Kompliment verschlug mir die Sprache, es war so völlig ehrlich. Erst wollte ich ablehnen, es ging immerhin um seine ganze Wochenration. Dann haben wir uns aber zusammen hingesetzt und die Tafel verputzt.“

Theresa Wiedemann